Der Mensch - diese kleine Episode des Weltschicksals - nimmt sich gern ungeheuer wichtig. Gut, er wusste als erster, wie man Feuer macht. Doch darf er sich deshalb über alle Wesen erheben?

 

Patricia Highsmith:
Kleine Mordgeschichten für Tierfreunde.
Gelesen von Alice Schwarzer.
Diogenes 2006. 2 CDs, 145 Min.19,90 Euro.

Patricia Highsmith hat sich "Kleine Mordgeschichten für Tierfreunde" ausgedacht. Dabei erklärt sie klugerweise den Menschen nicht pauschal zum Feind aller Tiere. Nein, in ihren Geschichten erzeugt sie die Spannung gerade dadurch, dass Tier und Mensch emotional miteinander kommunizieren. Dass den Geschöpfen etwas zugetraut wird: ein gesunder Instinkt sowieso, aber auch jede Menge Gefühl und eine gehörige Portion Verstand. Aber, dass es Tierquäler gibt, muss eben auch gesagt werden.

Sollte die tapferste Ratte von Venedig aufgeben, nur weil ein paar Schwerenöter sie grausam zugerichtet haben? Kann Kater Ming überhaupt nichts ausrichten gegen den heimtückischen Geliebten seines Frauchens? Und muss sich eine betagte Elefantendame damit abfinden, dass ihr neuer Pfleger sie schikaniert?

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen: Die Autorin lässt Kater und Elefantin zu Hochform auflaufen - und Alice Schwarzer hat beim Vorlesen glaubhaft Freude daran. Die Ratte macht dagegen mit ihrem Überlebenswillen ein bisschen sentimental. Und die Hühner werden erst gar nicht vermenschlicht - lohnt sich nicht, die landen ohnehin in einer vollautomatisierten Anlage. Allerdings nicht allein!

Wenigstens vier Morde geschehen - und jede einzelne Tat ist weit weniger dumpf als die Soundqualität des Hörbuchs. Aber welcher Tierfreund braucht schon einen Blutrausch in Dolby Surround?