Daniel Kehlmann - der erfolgreiche und überaus begabte Schriftsteller - ist gerade 31 Jahre jung und schon fünf Romane alt. Daher mag sein Interesse für Genies rühren; jedenfalls inszeniert er in "Die Vermessung der Welt" eine Begegnung zwischen Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß.

 

Daniel Kehlmann:
Die Vermessung der Welt.
Gelesen von Ulrich Matthes.
Deutsche Grammophon 2005.
5 CDs, 345 Min.; 24,80 Euro.

Ohne das Publikum mit Theorien zu beschweren, führt er es sanft, aber auch salopp an die beiden Geistesgrößen heran - als sei das Leben simpler als es scheint. Erzählt wird aus dem 18. Jahrhundert heraus, als es noch keine Wettervorhersagen gab.

Er wisse nichts, aber er habe sein Leben "damit verbracht, dies zu ändern", so stapelt Humboldt tief - jener universale Naturforscher, der sich u.a. in der Geographie, Botanik, Chemie, Physik, Astronomie und Ethnologie verdient gemacht hat. Getrieben von Neugier, Strebsamkeit und auch Erfolgsdruck legt der penible Wissenschaftler eine Selbstdisziplin an den Tag, die fast unheimlich ist. Mit einer Härte gegen sich selbst, die ein achtbares, aber auch bedauernswertes Pflichtbewusstsein offenbart.

Während Humboldt fortwährend an seinem Netzwerk bastelt, erscheint Gauß - als ein Mann der Zahlen und besessener Statistik-Junkie - nur der Sache verpflichtet, nicht den Umständen. Doch machen sich beide auf ihre Art daran, die Welt zu vermessen: Die Lichtgeschwindigkeit, die Meeresströme, die Erdbahn sind bestimmt, die Kraft der Magneten ist auch bald gelöst. Die zwei Experten - naturvertraut, aber manchmal lebensfremd - denken: So lasse sich "ein Zeitalter der Wohlfahrt" für alle herbeiführen. Nette Vision. Doch blieb, bei allem Fortschritt, der Mensch an sich bis heute unberechenbar.

Ulrich Matthes macht mit seiner Interpretation nichts falsch, aber begeistert auch nicht. Die geistreiche Vorlage, in der der junge Kehlmann stellenweise mit Altersweisheit verblüfft, trägt das. Dem Hörbuch soll bald ein Hörspiel folgen.