Jedwede Oberflächlichkeit wäre ein Verrat an Kafka. Deshalb gibt es von seinen Werken fast nur besondere Lesungen.

 

Er, scheuer Junggeselle

Petra Preuß und Falko Glomm.
Wartende Stille. Warum Kafka sich nicht traute
Inszenierte Lesung.
Kaleidophon, Berlin 2006.
1 CD, 60 Minuten, 14,95 Euro.

Kafka war um sich bemüht. Er trug Maßanzüge, war gepflegt im Auftreten und galt als attraktive Erscheinung. Dennoch blieb er ewig Junggeselle. Dieses kurzweilige Hörbuch spürt der Frage nach "Warum Kafka sich nicht traute". Konnte er die Liebe nicht ertragen? Stand er sich im Weg? Scheiterte er an der Trübheit des Daseins? Sicher ist, Kafka scheute die "Mühsal des Zusammenlebens". Er war ein melancholischer Skeptiker, der nur selten sein eigenes Misstrauen überwand: Immerhin verlobte er sich zweimal mit Felice Bauer, einmal mit Julie Wohryzek; hatte eine tiefe Affäre mit Milena Jesenska und eine letzte Freundin, Dora Diamant. Wie aus Briefen hervorgeht, glaubten Gefährtinnen (auch seine beiden Schwestern), er sei scheu, ängstlich, labil, unrettbar. Ein verzweifelt Liebender, der sich schnell missverstanden fühlte. Und doch waren die Damen fasziniert. Zwar gehörte er ihnen nie, aber einige eroberten zumindest seine vorübergehende Aufmerksamkeit.

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Ihr, kleine Menschen

Franz Kafka
Kafka: Erhören.
Mit Mechthild Großmann,
Mario Adorf, Dirk Bach.
Random House, München 2008.
5 CDs, 350 Min., 19,95 Euro.

Eines Tages hat Gregor Samsa sehr viele Beinchen, und doch kommt er nicht vorwärts. Mühsam schaukelt er sich mit dem Körper aus dem Bett. Selten hat man "Die Verwandlung" eines Tuchhändlers in einen Käfer so gehört: Mechthild Großmann liest sie nicht nur, sie lebt sie.
Es ist eine von sechs Erzählungen, die "Kafka: Erhören" lassen. Diese Hörbuch-Sammlung ist intelligent: eben hinter- statt vordergründig. Typisch Kafka sind all die nüchternen Illustrationen grotesker Begebenheiten. Mario Adorf rationalisiert "In der Strafkolonie" die Faszination einer grausamen Tötungsmaschine. Und Dirk Bach führt den asketischen "Hungerkünstler" vor, der sich vom Publikum ebenso unverstanden fühlt wie "Eine kleine Frau" von ihrem Schöpfer. Es sind Geschichten von der Geringschätzung, bei der es weder um Sympathie noch um Allzumenschliches geht. Hier erhört man Kafka als einen, der sich nicht auf öffentliches Wohlwollen angewiesen sieht.

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Ich, freier Affe

Franz Kafka:
Ein Bericht für eine Akademie.
Vorgetragen von Klaus Kammer.
Lübbe. Bergisch Gladbach, Neuauflage 2007.
1 CD, 33 Minuten, 7,95 Euro.

Zu den Kafka-Klassikern gehören "Der Prozess" mit Gustaf Gründgens, oder "Das Urteil" mit Ulrich Wildgruber (beide Hörbücher: Deutsche Grammophon). Als legendärste Aufnahme aber gilt "Ein Bericht für eine Akademie". Da inhaliert Franz Kammer erst das Leben des Affen Rotpeter, und wirft es dann vor dem Gremium aus. Ist die Menschwerdung eines Affen ein Spott der Natur? Oder ist die Durchschnittsbildung eines Europäers schon eine Sensation? Aus dem Bericht wird bald eine Abrechnung. Dabei hält Rotpeter, wie auch Kafka, stets die Distanz zum Primitiven.