Marilyn Monroe war hübsch, aber ihre Wirkung war zu offensichtlich. Gerade deshalb wäre es interessant, doch noch etwas Geheimnisvolles an ihr zu entdecken. Der Schriftsteller Truman Capote kannte die Monroe, führte mit ihr vertrauliche, ja intime Gespräche. Übers Kiffen und über Ansprüche.

 

Truman Capote:
Die Hunde bellen
Gelesen von Hanns Zischler.
Kein & Aber, Zürich 2008,
2 CDs, 150 Minuten, 19,90 Euro.

Champagnertrinkend erzählten sie sich: Wer war wie im Bett? Und was ist daran neu?

Nein, daraus ergab sich keine Freundschaft. Auch nicht mit Elizabeth Taylor, die er als "Moralistin von beinahe calvinistischem Zuschnitt" sah. Aber es ergaben sich Geschichten. Capote, dieser Glückspilz, der beiden Hollywood-Diven öfter begegnete, schrieb sie auf. Distanziert, als sei er nur ein Beobachter der Prominenten, zu deren Welt er jedoch selbst gehörte.

Die Monroe, das unsichere Naturtalent, sehnte sich nach dem Tod. Die Taylor, dieser knallharte Profi, kämpfte um ihr Leben. Tennessee Williams ertränkte seinen Ärger in Martinis. Louis Armstrong, Humphrey Bogart, Colette - alle pflegten ihre Spleens. Diese VIPs bieten Capote hübsche Plaudereien, aber keine einzige Offenbarung. Vielmehr als die ganze Wahrheit pflegt der Autor, selbst ausgestattet mit allerlei Marotten, seine Eitelkeit. Dieses betont Absichtslose, Lässige unterstützt die trockene, fast beiläufige Lesung von Hanns Zischler.

Nur die Geschichte von Mary Sanchez ist unerwartbar. Mary kennt die Wohnungen einiger Menschen, niemand kann ihr was vormachen, keiner kann etwas behaupten, Mary macht schließlich den Dreck weg. Gegen jene einfache Putzfrau wirkt die Prominenz sehr gewöhnlich. Das genügt als ganze Wahrheit.