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Nachts, wenn alles schläft - bekomme ausgerechnet ich zwei Mal unerwarteten Besuch.
Dies ist die bisher spektakulärste Geschichte, die ich jemals nachts erlebt habe.
Das Schönste: Sie ist wahr.

Wenn ich Du wäre, wäre ich doch lieber Ich“, sagt mein Mann mitfühlend. Er kann sich gar nicht vorstellen, nachts nicht schlafen zu können. Er weiß ja nicht, was ihm entgeht. Doch dazu später.

Erstmal möchte ich allen verehrten Lesern  danken – für die vielen  Tipps gegen Schlaflosigkeit: Ich schalte indes das Schnurlostelefon nachts ab, habe mir eine magische Schlaf-App heruntergeladen, gönne mir einen Magnesiumdrink und versuche, nur an schöne Dinge zu denken. Manchmal klappt’s. Ich tue gern alles für eine ruhige Nacht.
Aber: Einige Dinge passieren mir selbst im Schlaf ...

Eines Nachts, es ist drei Uhr und ich  träume gerade schön, klingelt es an der Tür.  Mein Mann ist in einer beneidenswerten REM-Phase, also stapfe ich zur Gegensprechanlage und frage müde: „Wer stört?“
„Hier ist die Polizei. Fahren Sie ein Auto mit dem Kennzeichen ...?“
„Ja, warum?“
„Kommen Sie mal bitte runter.“
Oh, oh. Das klingt gar nicht gut. Ich bin sehr anfällig für das Gefühl, eine Katastrophe überkäme mich. Sofort denke ich: Habe ich noch ein Auto? Oder hatte ich mal eins? Was ist davon noch übrig? War ja klar, jetzt, wo das Auto abbezahlt ist …
Ich werfe mir schnell was über, lasse die Wohnungstür offen und eile hinunter. An der Haustür stehen zwei Polizisten. Jetzt lächeln sie auch noch freundlich?! Bestimmt ist was ganz Furchtbares passiert.
„Wir wollen Ihnen noch die Gelegenheit geben, ihr Auto umzusetzen. Ab sechs Uhr morgens ist hier Parkverbot. Ist ’ne neue Baustelle. Haben Sie bestimmt übersehen.“
Ich bin völlig überrascht. Die tun nicht nur nett – die sind es auch!  Ich setze das Auto um,  winke ihnen zu und rufe: „Und vielen Dank fürs Bescheidsagen!“ Es ist wie im Traum.

Als ich hoch komme und die Wohnungstür hinter mir schließe – steht ein Hund auf unserem Flur!
„???“
Ein großes, ziemlich entspanntes Tier. Ich denke, ich träume schon wieder. Aber der Hund ist sehr lebendig und wackelt in die Küche.
Ich versuche, meinen Mann zu wecken und an seinen Beschützerinstinkt zu appellieren: „Stell dir vor, ein fremder Hund ist in unserer Wohnung!“
Mein Mann antwortet nur  „Mhmh“ – und dreht sich auf die Seite.
Ich denke: „Hhmm!“

Der Hund ist noch in der Küche, also schleiche ich zur Wohnungstür und lausche in den Hausflur. Dort höre ich einen Mann rufen. Ich antworte: „Vermissen Sie einen Hund?“
„Um Himmels Willen, ja.“
„Kommen Sie ein paar Stockwerke höher. Ich hab was für Sie.“
Dann kommt ein Unbekannter abgehetzt an unserer Wohnungstür an. Er stellt sich als neuer Nachbar vor, aus einer anderen Etage. Kann sein, kann nicht sein. Alles ist nachts möglich. Es ist viertel Vier und ich habe ich zwei wildfremde Wesen in meiner Wohnung. Die Situation erscheint mir irreal. Ich weiß nur  eines sicher: Da, wo es bellt, ist vorne.
Der Mann ruft, der Hund hört. Herrchen entschuldigt sich noch: „Wollte Gassi gehen ...“, „Plötzlich der Hund weg ...“, „Kann mir nicht erklären, wie das passieren ...“
Ist ja noch mal gut gegangen. Wir verabschieden uns, die Tür fällt ins Schloss – und ich gegen die Tür.

Als mein Mann später beim Frühstück ist,  erzähle ich ihm aufgeregt, was er alles verschlafen hat. Zum Beweis  zeige ich ihm das umgesetzte Auto. Beeindruckt sagt er: „Na dir passieren immer Dinge.
Ich antworte: „Mir? Mein Lieber, wärst Du einfach aufgestanden, hätte es unser Ding sein können!“
Ja, na gut, er ist ausgeschlafen.
Aber nö, dafür hab ich was erlebt!
Es war zwar wieder eine schlaflose, aber eine gute Nacht: Ich hab’ Abschleppkosten gespart und unseren netten Nachbarn kennengelernt!
Ist gar nicht so schlimm, ich zu sein.