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Bedrohliche Schatten, unheimliche Begegnungen, düstere Aussichten - so mancher Arbeitsplatz wird auch als Schauplatz des Entsetzens empfunden. In diesem Fall völlig zurecht: Denn hier gehen zwei Grabräuber ihrer Arbeit nach.

 

H. P. Lovecraft: Der Ruf des Dämon.
Gelesen von Simon Jäger und Simon Newby.
Eichborn Lido 2005, 2 CDs, 89 Min., 14 Euro.

Ihre einzigen Begleiter sind der modernde Geruch und ihre teuflischen Absichten. Sie stehlen, was das Grab hergibt und sind doch keine dumpfen Gestalten, sondern fast Ästheten. Das macht sie so interessant. Die beiden gefallen sich zunächst als Sünder der Verdammnis, als Gewahrer menschlicher Perversitäten - und ahnen doch, dass Schreckliches auf sie wartet: "Der Hund", Titelgeber der ersten Geschichte, ist ein Monster. Das "Unnennbare". Wer ihm begegnet, wird entweder zerfleischt oder wahnsinnig. Alles nur wegen eines grünen Amuletts.

Simon Jäger erzählt unaufgeregt zwei finstere Geschichten (auch: "Das Fest") und setzt dabei die richtigen Kunstpausen. Sein Kollege Simon Newby interpretiert noch kurze Gedichte des US-amerikanischen Autors H. P. Lovecraft (in Originalsprache). Die Sprecher artikulieren, was uns im wahren Leben die Stimme verschlagen würde. Und die sparsame, aber sehr nachhaltige Musik vom "Orchester der Schatten" vertieft die ohnehin sehr abgründige Atmosphäre wirkungsvoll. Mit kleinen jazzigen Versatzstücken wird ohne jede Effekthascherei der würdige Grusel unter die Haut gezaubert. Grusel, von dem man sich gern erschüttern lässt, den man aber nie selbst erleben möchte.

H.P. Lovecraft bewährt sich hier bestens als Meister des Grauens. Und auch als Meister der Beiwörter. In diesem Sinne ist das Doppelalbum: Fürchterlich mitreißend. Unheimlich stilvoll. Schrecklich schön.