Es gibt Momente im Leben, die alles verändern. Plötzlich ist nichts mehr wie zuvor. Zufall? Unfall? Schicksal? Chance?

 

So unterschiedlich die Anlässe sind, in den Tag X zu geraten, so sicher ist: Keiner ist darauf vorbereitet. Und alle begreifen erst am nächsten Tag, was geschehen ist.

Michael Jürgs: Der Tag danach.
Gelesen von Michael Jürgs.
Random House Audio 2005, 150 Minuten, 2CDs, 19,95 Euro.

Michael Jürgs hat Prominente zu ihrem "Tag danach" befragt. Hat sie vom "Verlust der Macht und dem Ende einer Liebe, vom schnellen Tod und einem neuen Leben" erzählen lassen.
So berichtet Lothar de Maizière, wie er den 18. März 1990 erlebte: Als ihn die Prognosen zum Wahlsieger erklären, weiß er, dass er verloren hat. Von da an wird er ein halbes Jahr vorgeführt. Wie bemerkenswert dieser Mensch tatsächlich ist, hört man in seinen überlegten Ausführungen von heute. Es menschelt angenehm geistreich, nur leider viel zu selten.

Unerwartet vielleicht noch der Tag, den Alida Gundlach durchlebte - als ihr Mann ins Koma fiel - und die Konsequenzen, die sie daraus zog. Bewegend auch, wie es dem mächtigen Terroristenjäger Horst Herold heute geht. Aber weder bei Ron Sommer, Norbert Blüm noch bei Rudolf Scharping vermittelt sich ein Gefühl der Aufrichtigkeit. Siegfried Lenz versucht sich interessant zu machen, überzeugt aber nicht. Und Anna Augstein langweilt mit purer Wehmut.
Doch dem Autor gelingt es, gewünschte Wahrnehmungen und späte Rechtfertigungen, durchschimmern zu lassen. Dankenswerterweise traut er dem Hörer zu, das Gesagte am Ende selbst zu interpretieren. Ein feines Lehrstück, um den eigenen Instinkt zu schulen.