Ein offenes Wort, sei es noch so wohlformuliert und treffend, wird nicht gern vernommen.

Heinrich Heine:
Deutschland. Ein Wintermärchen.
Vollständige Lesung von Gerd Wameling
(Produktion: SFB 1997), Hörverlag 2006,
2CDs, 94 Minuten, 19,95 Euro.

Richtet es sich gegen die Gesellschaft, ist damit erst recht kein Staat zu machen.
Jedenfalls erfuhr Heinrich Heine 1844 - als er aus seiner Reise von Paris nach Hamburg eine Zustandsbeschreibung machte, dabei die Sprache seiner geißelnden Kritiker nutzte und eigene Gedanken wagte - dass die Zensur die "geistige Einheit" in Deutschlands Kleinstaaten war. Die deutsche Vernunft und der eingefrorene Dünkel ließen ihn teils spöttisch, teils zynisch, meist ironisch die Lage der Nation kommentieren.

Seine Vaterlandsliebe ("die ganze Welt soll deutsch werden") und seine Heimatverbundenheit ("sei mir gegrüßt mein Sauerkraut") wirken heute so rührend wie befremdlich. Da ist ein Patriot, der im Rausch seiner Ausführungen nicht nur die Menschen beratschlagt, sondern auch die Dinge über das Törichte erheben möchte. Und: der zwischen den Zeilen die Sehnsucht ausdrückt, von seinem Land zurückgeliebt zu werden.
Er ist es, Heine, der sich mit Napoleon und Sokrates in einem Atemzug nennt, der mit einem Kaiser und einer Göttin in den Dialog tritt, der mit "einem Textchen" kokettierte und zugleich das Bewusstsein hatte, mit dem "Wintermärchen" einen Klassiker verfasst zu haben.
Zum 150. Todestag des Dichters, am 17. Februar, erscheint nun das Hörbuch in einer wunderschönen Ausstattung. Gerd Wameling hätte als Sprecher den Pointen mehr eigene Kraft zutrauen dürfen, er hat sie ein wenig überartikuliert. Dennoch: Ein Geschenk erster Klasse ist es geworden, an alle Deutschen und Nichtdeutschen.