Was macht wahre Freundschaft aus? Hilfsbereitschaft und Geduld? Wie in Oscar Wildes Geschichte "Der ergebene Freund": Da sieht Klein Hans ganz großzügig darüber hinweg, dass er vom Müller ausgenutzt wird. Moralisch ist Klein Hans einwandfrei, aber am Ende eben doch mausetot.

 

Oscar Wilde, Nina Schindler, Bertolt Brecht, Stephan Sarek:
Geschichten über die Freundschaft.
Gelesen von Helmut Winkelmann. Hörverlag 2006. 1 CD, 70 Min., 9,95 Euro.

Ist das edel oder einfach dumm?
In Bertolt Brechts sachlich kurzer Begebenheit indes rechnet sich Freundschaft: Da wird ein mathematischer Kniff gleich zum "Freundschaftsdienst" erhoben. Es reicht, dass einer schlau kalkuliert und alle davon profitieren.
Genügt es also, Feindschaft zu verhindern, um ein guter Freund zu sein?

Nina Schindler jedenfalls bestraft in "Pikant" den Verrat einer Freundin: Ein offenbar echtes Beziehungsdrama erzählt von einer Berliner Chansonette, die es wohl tatsächlich geben muss. Die Sängerin ist unverschämt, die Enttäuschung absehbar, die Rache sympathisch.
Und schließlich hört man von Herrn S., der es verabscheut, mit Leuten in Kontakt zu geraten - und zu seiner eigenen Überraschung erfährt, "Wie man Freunde fürs Leben gewinnt". Stephan Sarek amüsiert hier auf selten gehörte Weise mit seinem mürrischen Ich.
Die vier "Geschichten über die Freundschaft" werden pointiert von Helmut Winkelmann gesprochen. Ab wann man selbst von einem Freund spricht, entscheidet zuletzt jedoch immer die eigene Stimme.