Drucken

Taxi fahren: Dollar vier. Essen gehen: Dollar dreißig. Dass ein vermögender Mann wie Andy Warhol solche Dinge seinem Tagebuch anvertraut, hat nur einen Zweck: den Steuerprüfern Rechenschaft ablegen zu können. Das wird zumindest am Anfang behauptet, 1976.

 

Andy Warhol: Das Tagebuch.
Gelesen von Peter Fricke und Annette Ziellenbach.
Deutsche Grammophon 2006.
4 CDs, 270 Min. 29,90 Euro.

Doch schon bald kommt der Liebling der New Yorker Kunstszene nicht um den Klatsch herum: Es kann nicht unerwähnt bleiben, wie man Jodie Foster, Ingrid Bergman, Lou Reed oder Dustin Hoffmann erlebte. Überhaupt waren Namen dem Künstler, der selbst zum Jetset gehörte, wichtig: Mick Jagger kokst, Truman Capote freut sich, Leonard Bernstein macht ihn an, Paloma Picasso ist einfach da, Rainer Werner Fassbinder sieht aus wie ein Zirkusdompteur. Warhol gewichtet nicht - und räumt Ereignissen wie Belanglosigkeiten denselben Platz ein. Seine Themen: Diät, Geld, Sex, Verabredungen, Obst, Aids - nur selten Kunst.

Dabei nimmt bis zur vierten CD seine Persönlichkeit allmählich Haltung an. Wie er seine Seltsamkeit pflegt und seine "scheue Nummer" abzieht. Wie er der Öffentlichkeit überdrüssig ist und ihn die Einsamkeit langweilt. Wie er Komplimente durchschaut und Anerkennungen misstraut. Warhol möchte nicht Gegenstand der Betrachtung sein, sondern Betrachter.
Er hat tiefe Überzeugungen, fast religiös. So glaubt er lieber an Kristalle als an Operationen - am Ende, 1987, starb er wohl an seinem Aberglauben.

Die Tagebuchnotizen sind so kreativ aufbereitet wie Warhol wirkte: leicht verspielt und doch streng gewissenhaft. Peter Fricke spricht Andy Warhol, Anette Ziellenbach sein Tagebuch - beide werden der Vorlage gerecht, vertrauen ihrem Unterhaltungswert. Entertainment verdient hier seinen Namen.