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"Lieber Verehrtester" - so beginnen die Briefe, in denen kaum geliebt oder verehrt wird. Geschrieben von einer Frau, die sich kaum beeindrucken ließ und nur wenigen auf Augenhöhe begegnete. "Ich will verstehen" heißt das Hörbuch, das die Briefe von Hannah Arendt (aus New York) an den Philosophen Karl Jaspers dokumentiert.

 

Hannah Arendt:
Ich will verstehen.
Gelesen von Margarethe von Trotta.
Hoffmann und Campe 2006.
2 CDs, 112 Min., 19,95 Euro.

Anfangs geht es um die Freude, dass Jaspers mit seiner jüdischen Frau in Deutschland das "Höllenspektakel" überlebte, später um politische Freiheit und gesellschaftliche Knechtschaft. Oft auch um private Zustände.
"Ich bin ziemlich bekannt, manchmal sogar eine Autorität", schreibt Arendt - und ist zugleich verblüfft, dass manche ihren Ruf ruinieren wollen. Dabei war es doch jene kluge Denkerin, die aus genauen Betrachtungen ungenehme Schlüsse zog. Deren Logik unpopulär war. Was erwartete sie?

Erstaunlich, wie scharf sie demokratische oder totalitäre Politik analysierte, wie vage sie diese jedoch auf Religion und Rassenprobleme anwendete. In ihren Briefen von November 1945 bis August 1966 kreist sie viel um sich selbst, reflektiert kaum Jaspers Einlassungen. Sind diese Briefe tatsächlich nur an den Adressaten gerichtet?

Hannah Arendt sprach wie ein Mann, formulierte aber wie eine Frau. Das nutzt die Regisseurin Margarethe von Trotta in ihrer Lesung und nimmt den Texten die Härte der Arendt-Akustik - ohne deren Kritik zu verweichlichen. So entsteht am Ende mit dieser ungewöhnlichen, einmaligen Frauenbegegnung das Verehrenswerteste.