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Noch ein bis zwei Stunden, dann wird er sterben. Jossel Rakover, 43 Jahre alt, verlor seine Frau und seine sechs Kinder - sie hatten die "unglückliche Ehre, Juden zu sein".

 

Zvi Kolitz:
Jossel Rakovers Wendung zu Gott.
Gelesen von Traugott Buhre.
Diogenes Zürich 2006. 1 CD, 60 Min., 17,90 Euro.

Jetzt, wo ringsum schon alle Häuser in Flammen stehen, wartet er zermürbt im Warschauer Ghetto auf seinen Tod. Auf die Erlösung.

Am 28. April 1943 verfasst er sein Testament und richtet sich an Gott. Jenen Herrn, der die Menschen gleichgültig den Menschen ausliefert, mit all ihren Instinkten und Trieben. Er nimmt sich das Recht, Gott zu mahnen und seine Gerechtigkeit in Frage zu stellen. Es war nie bequem, Jude zu sein. Gott schuldet ihm was.

 

"Jossel Rakovers Wendung zu Gott" ist eine philosophische Bilanz, ein ergreifendes Zeugnis eines unfreiwillig Lebensmüden. Zvi Kolitz schrieb die fiktive Erzählung so dicht an die Realität heran, dass sie schon Millionen Menschen bewegte. Traugott Buhre liest sie so unaufdringlich seelenvoll, dass sie jeden Hörer erreicht - auch die ohne religiöse Legitimation. Eine große Erkenntnis offenbart sich, wenn Gott für seine Taten, nicht aber für seine Existenz gelobt wird.
Am Ende geht die Sonne unter, "Gott sei Dank" wird Jossel sie nie wieder sehen.