Fidel Castro ist zweifellos der größte Bewunderer von Fidel Castro.

 

Ursula Voss:
Die Revolution bin ich. Fidel Castro im Porträt.
Lesung mit O-Tönen. Der Audio Verlag (DAV) Berlin 2006,
1 CD, 65 Minuten, 14,95 Euro.

Aber nicht der einzige: Manchen ist er ein Musterschüler, ein Kämpfer für Gerechtigkeit, der letzte Gott des Sozialismus, ein kubanischer Siegfried. Er kann sieben Stunden lange Reden halten und ist rhetorisch so begabt, dass ihm vor lauter Überwältigung schon mal die eigene Stimme wegkippt. Ist er zum ewigen Heldentum verurteilt?
Nein. Vielen ist er ein Diktator. Ein Rechtsanwalt, der Menschenrechte missachtet. Castro - ehrgeizig, aber auch kompromisslos - spaltet die Menschen.

Hat er nicht 1959 General Batista gestürzt? 1961 die Amerikaner in der Schweinebucht gedemütigt? Eine Agrarreform durchgesetzt? Und ein einmaliges Bildungs- und Gesundheitssystem in der Karibik errichtet?
Ja. Aber warum fliehen die Menschen? Warum fordert er vom Volk Opfer und häuft privat Güter an? Stieg er auch über Leichen, die nicht seine Gegner, sondern nur Kritiker, waren? Sogar seine Tochter nennt ihn einen "Tyrann".

Geliebt, verachtet und in einer attraktiven Holzverpackung - so anregend lässt sich Castro aus der Ferne konsumieren. Ursula Voss, geübt im Umgang mit Personen der Zeitgeschichte, hat ihr kurzweiliges Feature mit O-Tönen angereichert und richtet dies geschickt als Brief an ihn: Verehrter Commandante, ist die Revolution eine Lüge?, fragt sie in ihrem Porträt über das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt - und traut dem Hörer autonome Antworten zu.

Klar wird , der "Fidelismus" ist ein Mix aus Marx, Engels, Lenin, Guevara und menschlichem Versagen. Kuba dient nur noch dazu, Castros Macht zu erhalten. "Der Staat bin ich. Nach mir die Sintflut", sagt der Patriot - dessen Landsleute heute längst davon träumen, Amerikaner zu sein. Wenn Castro stirbt, wird den Kubanern eine schwere Last genommen. Aber wird es für sie leichter?