Drucken

Eine brillante Idee: Elf Schriftsteller tragen ihre persönlichen Wahrnehmungen zu weltberühmten Gemälden vor. So hat man Bilder noch nicht gehört!

 

Bilder.Geschichten: Schriftsteller sehen Malerei.
Günter Wallraff, Monika Maron, Dieter Wellershoff u.a.;
Random House München 2006,
1 CD, 75 Min.; 19,95 Euro.

Da zitiert Günter Wallraff eine Arbeit Vincent van Goghs - doch mehr als das Werk scheint ihm jener Künstler nahe zu stehen, der sich unter die Menschen mischte und nie komfortabel im Leben einrichtete.
Auch Marcel Beyer beschreibt weniger das Gemälde von Pieter Claesz, stattdessen die Situation, in der er es erstmals sah: in einer polnischen Gastwirtschaft - eine Identifikation in der Fremde. Ebenso erinnert sich Jürgen Becker: Max Liebermann holt ihn in seine Kindheit. Dann verdeutlicht Monika Maron an Jacob Philipp Hackert, was gegen Täuschung auf den ersten Blick hilft: der zweite; dabei verliert die Dunkelheit das Beängstigende, aber auch die Romantik. Georg Klein macht noch klar, warum die vermeintliche Unbescheidenheit von Peter Paul Rubens gar keine ist. Und Dieter Wellershoff sieht mehr als das "Mädchen mit Puppe" und arbeitet blendend die emotionale Kälte heraus, die James Ensor darstellt. Was für eine feine Idee.

Erholsam anders sind diese Interpretationen: persönlich eben, nicht abenteuerlich (abgesehen von Urike Draesner, die bei Gustave Courbets "Meeresstrand" in eine meteorologische Abhandlung gleitet). Doch wie vollendet wäre diese Idee, wenn die Autoren frei ihr Lieblingsbild hatten aussuchen können und nicht brav aus dem Bestand eines Museums wählen müssten. Diese Pflicht zur Kür nimmt dem Ton jedenfalls etwas Leidenschaft.