Der gewöhnliche Mensch ist geschwätzig - aber oft zu träge, selbst zu denken. Da schaudert's den Intellektuellen. Damit ihnen die Freude an der gebildeten Auseinandersetzung nicht vergeht, befleißigen sie sich seit jeher rastlos an Behauptungen. Dazu brauchen sie keine Wahrheit, keine Logik - nur den Triumph im Wortgefecht. Wie Arthur Schopenhauer, die fleischgewesene Eitelkeit des 19. Jahrhunderts.

 

Eristische Dialektik: Arthur Schopenhauer.
Traktiert von Andreas Platthaus.
Kein & Aber Records, Zürich 2007,
2 CDs, 95 Minuten, 19,95 Euro.

Dessen Eristische Dialektik schult bis heute jeden ehrgeizigen Wortsoldaten in der Kunst, Recht zu behalten - auch wenn er nicht Recht hat.
Bei ihm wird der Gegner im Scheingefecht durch Geschick, notfalls durch persönlich Beleidigungen geschwächt. Der Feind gehört schikaniert. Schlagfertig eben.

Dafür führte der Philosoph 38 Kunstgriffe an, etwa: die Übertreibung, die Verallgemeinerung, den Gegenbeweis, die Provokation, die Täuschung oder die Kategorisierung. Es geht um die Maskierung und Infragestellung, die Herausforderung von Zugeständnissen und absurde Schlussfolgerungen. Dabei gilt: Widersprüche herauszufiltern, Instanzen aufzuzeigen, ungläubig zu bleiben.

Meist wird an die Ehrfurcht appelliert, manchmal an die niederen Instinkte. Gern kann man auch die eigene Inkompetenz erklären - rein rhetorisch. Wer wird da noch die Fäuste ballen, wenn man mit losem Wortschwall verwirren kann?

Doch lohnt ein Gefecht ohne Publikum nicht. Stell Dir vor, Du hast Recht und keiner bekommt es mit? Andreas Platthaus trägt die Traktate mit sachlicher Seele und zuweilen mit seliger Sachlichkeit vor. Und der Hörer hört, was er sagen könnte - wenn er könnte.