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"Neue Zwiegespräche mit Gott": Endlich redet Ahne wieder mit Ihm

 

Ahne
"Neue Zwiegespräche mit Gott"
128 Seiten inkl. MP3-CD,
Voland & Quist, Leipzig 2011,
160 Min., 14,90 Euro.

Die Blauen" - das klingt irgendwie nach Säuferpartei; so nach "lulle, hacke, breit, dicht" oder nach "bechern, zuknallen, heben, abfüllen". Vielleicht nennt Ahne seine Partei doch lieber "Die Karierten"? Muss er mal Gott fragen.

Endlich reden sie wieder: Ahne - der in Berlin weltbekannte Lesebühnenautor - führt nun "Neue Zwiegespräche mit Gott" - einem beinahe ebenso bekannten Künstler. In 36 frischen Dialogen, in denen Gott der nette Kumpel ist und Ahne der kecke Sportsfreund, wird ruppig geplaudert und sich friedlich auseinandergesetzt, aber nie kariert gequatscht. In schönster Berliner Mundart erklären sich beide die Welt, die sich um die Choriner Straße 61 dreht.

Gott singt. Gott googelt. Gott geht zum Friseur und weiß, was Dostoprimelschatjelnosti heißt. Gott unterdrückt Aggressionen und ist manchmal ein bisschen überheblich. Kann es sein, dass Gott auch nur ein Mensch ist?

Mit Gott kann Ahne jedenfalls über alles reden - über Shanghai und Schöneiche, Weltwirtschaftskrise und Staubsaugerbeutel, Leistungsgesellschaft und Zimmerpflanzen, Krieg und Migrationshintergründe. Nur nicht über die Eltern von Gott, denn "die sind tabu". Aber das ist nicht weiter schlimm, weil Reizworte wie Konjunkturpaket 3 oder Hartz IV, obgleich nur kurz angeschnitten, jederzeit abendfüllend sind.

Manchmal provoziert Gott, manchmal lenkt er ab. Manchmal versucht er gar, witzig zu sein: "Kommt 'ne Wurst zum Augenarzt ..." Doch Ahne bleibt immer beim Thema - und lässt sich nicht mal von Gott (!) auf Abwege führen.
In den Zwiegesprächen stutzen sich Ahne und der Allmächtige mitunter ordentlich zurecht, aber sie reden sich nie klein. Beide kommunizieren, ja, auf Augenhöhe - und verblüffen sich gegenseitig mit Fangfragen oder bizarren Schlussfolgerungen. So werden "Kett Stiewens" oder "Uli Wickat" völlig neu verschlagwortet. Und es gibt erstmals plausible Erklärungen, warum Eckkneipen nicht aussterben und eine Scheidung klug sein kann.

Gut, den Nahostkonflikt wird Gott ebensowenig los wie Ahne die Kontrollen bei der BVG - aber dafür machen beide aus jedem Dispo ein lösbares Problem ...

Die Geschichten sind so absurd, dass sie sich wohl tatsächlich zugetragen haben. Sollte mal der Weltuntergang bevorstehen: Man wünschte, Gott und Ahne würden ihn live moderieren.