Das Schönste am Reisen ist die Vorfreude. Schöner wird's nicht mehr.

 

Früher war mehr Strand:
Hinterhältige Reisegeschichten
von sieben Autoren,
Diogenes, Zürich 2007,
1 CD, 72 Minuten, 14,90 Euro.

Kein Wunder, dass nachher so "hinterhältige Reisegeschichten" entstehen können, wie in diesem Hörbuch. Hier regiert die Strapaze: mit Belehrungen und Geständnissen; einem als Unfall getarnten Mord und einem angekündigten Selbstmord.
Reisen kann so grausam sein. Die Abfahrt beginnt mit Ingrid Noll: Ein Mann findet Fotos von sich; alle sind hässlich, alle knipste seine Frau. Die grässlichsten gelangen ihr im Urlaub: Er unrasiert (klick), er krebsrot (klick). So manipuliert sie einen gewöhnlichen Mann zu einem widerlichen. Noch ein letztes Mal fahren sie gemeinsam weg...

Nächste Haltestelle, Doris Dörrie: Zwei Unbekannte genießen das Leben in vollen Zügen, 400 Kilometer lang im selben Abteil. Nächster Stopp, Friedrich Dürrenmatt: Nun begegnet ein litauischer Mathematiker einem persischen Landvermesser, der liebesmüde ist.

Bei Slawomir Mrozek gibt sich im Nachtexpress ein Passagier als perverser Würger aus. Bei Leon de Winter flattert der Erzähler parallel zu Vladimir Nabokov wie ein Schmetterling. Bei Martin Suter wird durch das Gepäck die Wirbelsäule einseitig belastet. Dann endlich Urs Widmer: Seine Geschichte, die er mit seiner Frau, seiner Schwiegermutter und seiner Ironie ausstattet, ist die gelungenste. Egal ob im Hilton, Sheraton oder Holiday Inn, bei ihm reist echte Boshaftigkeit mit.

Der Titel "Früher war mehr Strand" klingt wunderbar übellaunig und verheißt lustvolles Nörgeln. Aber mit dem Hörbuch verhält es sich leider wie mit dem Reisen: Die Vorfreude darauf war das Schönste.