Die Festanstellung ist der Weg des geringsten Leids, aber auch der geringsten Freude. Alles ist vorhersehbar: Aufgaben, Arbeitszeit, Gehalt. Meinen Holm Friebe und Sascha Lobo und beschwören die berufliche Autonomie.

 

Holm Friebe, Sascha Lobo:
Wir nennen es Arbeit.
Sprecher: Britta Steffenhagen,
Simon Müller-Lerch.
Hoffmann und Campe, Hamburg 2007,
1 CD, 75 Min., 19, 95 Euro

Dafür richten die Autoren die Generation Unabhängig im Café ein und installieren lässig zwischen Chai Latte und Laptop deren Makrokosmos. "Wir nennen es Arbeit", sagen sie - und machen es sich zwischen Behauptungen und Rechtfertigungen bequem.

Dabei wurden sie für ihr Buch, das vor einem Jahr erschien, von der Kritik als "Hoffnung für die Jugend" gelobt. Aber ihr "Ideen-Gewitter" ist nun, in der stark gekürzten Hörfassung, nur noch ein Schwarz-Weiß-Entwurf. Auch, wenn sie in den schillerndsten Farben versuchen, die finanzielle Unsicherheit zu romantisieren oder die Freiberufler und Berufsfreien als charaktervoller und selbstbestimmter darzustellen - alles bleibt unbewiesen. Statt Alternativen zur Festanstellung gibt es hier nur Dogmen dagegen: Der Bürojob wird stellvertretend für alles Feste als großer Schrecken inszeniert. Die Arbeitnehmer - opportunistisch, fremdbestimmt, strukturell verblödet - sind nur Angstsparer, Arbeitsplatzklammerer, Opfer.

Und die mündigen Helden? Regie und Sprecher setzen sie zwar clever in Szene, doch ihr "intelligentes Leben jenseits der Festanstellung" überzeugt leider nicht: Die ironischen Bonmots? Geliehen. Die interessanten Beispiele? Bekannt. Die eigene Kreativität? Nur Imitation. Die Querdenker? Bloß Stichwortgeber.

Die "digitale Bohème", berauscht von sich selbst, offenbart sich hier allenfalls flüchtig. Soll das die Befreiung aus der "paranoiden Mittelschicht" sein? Vor allem: Was ist da eigentlich im Milchtee drin?