In viele Dinge gerät man leicht hinein, kommt aber nur schwer heraus. Ulrike Reimer möchte ein Bad nehmen. Doch: Das Bad nimmt sie! Die Wanne wird zur Falle.

 

Herrad Schenk: In der Badewanne.
Gelesen von Rita Russek.
Hoffmann und Campe, Hamburg 2007,
2 CDs, 174 Minuten, 19,95 Euro.

Eine Verletzung hält sie gefangen - und ihre Verabredung fällt sozusagen ins Wasser.
Zunächst arrangiert sie sich mit der Situation und versinkt in Gedanken: Sie ist bald 60, unscheinbar, wird chronisch unterschätzt. Dabei wäre sie so gern skurril.
Ewig war sie Journalistin, doch die jungen Redakteure interessieren sich nicht mehr für ihre Angebote. Jetzt besucht sie einen Volkshochschulkurs. Ihr Lebensmotto: Keine Hoffnungen, keine Erwartungen, dafür auch keine Enttäuschungen.

Früher, da war sie eine moderne, aufgeklärte Gefährtin, die die Freiheiten der 68er genoss. Eine, die den Unterschied zwischen "Seitensprung" und "Fremdgehen" interpretieren konnte. Doch die Zeit verging, nur die Blessuren blieben.

Jetzt liegt sie hilflos in ihrem Bade, wird frühestens in elf Stunden gefunden. Tick, tack. Sie schaut ins Wasser und plötzlich tauchen sie auf: Günter, Bodo, Harry, Konrad ...

Die Autorin Herrad Schenk vermeidet es, den Hörer behaglich einzuseifen. Dazu liest Rita Russek so entschlossen wie verletzlich, ihre heisere Stimme bürstet fein auf. Es ist gar nicht einfach, in der Badewanne mit sich ins Reine zu kommen.