Wenn die Liebe endet, trauert man dann dem Geliebten hinterher oder den gestorbenen Träumen? Sibylle Berg wählte Abschiedsbriefe aus, von unbekannten und berühmten Verfasserinnen.

 

Sibylle Berg:
Und ich dachte, es sei Liebe
Lesung mit Hannelore Hoger
und Sophie Rois.
Der Audio Verlag, Berlin 2006.
2 CDs, 153 Min., 19,99 Euro.

Sie liebten jüngere Männer oder schwule, verheiratete oder ihre eigenen - haben sie verlassen oder sind verlassen worden. Diese Briefe zeichnen Porträts von 26 Frauen, die entschlossen sind, ihre Beziehungen einzuordnen. Einigen gelingt es, andere scheitern.

Da ist die kühle Abrechnung: "Dass Gefühle sich ändern ist eine Tatsache" oder die beleidigte: "Fick Dich"; die verständnisvolle Einsicht: "Du bist meiner nicht würdig" oder die dramatische: "Möge der Herr mich davor beschützen, je wieder irgendetwas mit euch zu tun". Da sind auch faszinierende Bekenntnisse wie: "Ich liebe Sie, ich kann nicht anders" oder: "Ich liebe Dich, selbst wenn es mich gar nicht gibt - und auch keine Liebe."

Diese Worte - formuliert voll Widerspruch, Sehnsucht, Irrtum, Vorwurf, Mitleid und Verteidigung - wurden gerichtet an Ernest Hemingway, Erich Maria Remarque, an Rainer Maria Rilke, Gustav Klimt, an Heinrich VIII., F. Scott Fitzgerald und andere Herren. Es sind Gedanken (von Frida Kahlo, Virginia Woolf, Simone de Beauvoir, Anais Nin u.a.), denen Sibylle Berg die jeweiligen Kurzbiografien voranstellt und die sie mit klugen Anmerkungen illustriert. Von Sophie Rois und Hannelore Hoger bestens erlesene Fundstücke - die, Hand aufs Herz, auch die geneigte Seele freundlich coachen.