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Alle reden drüber, aber was ist überhaupt "Glück"?

 

Glück haben

Wolf Schneider
Glück!
Eine etwas andere Gebrauchsanweisung
Autorenlesung,
Audiobuch, Freiburg 2007,
2 CDs, 136 Minuten, 9,95 Euro

Das fragt zunächst der Journalist Wolf Schneider in seiner fleißig recherchierten und "etwas anderen Gebrauchsanweisung". Zu hören ist ein selbstsicheres Referat, das sich gegen Glücksratgeber und Glücksrezepte wendet, modische Marotten und vergebliche Vorsorge karikiert und die forschen Anmaßungen der Philosophen und Statistiker beanstandet. Zwar trennt der scharf analysierende Schneider das "bloße Glück haben" ordentlich vom "Glücklich sein", doch bringt er zuweilen "Glück" und "Zufriedenheit" munter durcheinander.

Aber es gibt viele Höhepunkte: etwa seine Bemerkungen zu Ehe und Zweisamkeit - die als Themen nicht zwangsläufig mit Glück zu tun haben. Oder seine Antwort auf die Frage "Macht Geld glücklich?" Geld allein habe jedenfalls noch nicht unglücklich gemacht, sagt er. Da spricht ein erfrischender Vordenker - und überzeugt, weil er anderen das Nachdenken nicht abnimmt.

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Glück suchen

Wilhelm Schmid:
Glück.
Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das wichtigste im Leben ist
Sprecher: Elmar Bartel
Hoffmann und Cmape, Hamburg 2008.
1 CD, 67 Minuten, 7 Euro.

Dass Glück oft nur eine Behauptung ist, bestätigt Wilhelm Schmid. Auch er beobachtet den Wettbewerb der Menschen um Wohlstand. Wie sie sich vom Geld tyrannisieren lassen. Wie hoch ihre Erwartungen sind. Wie sie das Glück herausfordern. Inmitten dieser Glückshysterie rät er zu einer Atempause, weil "Glück nicht das Wichtigste im Leben ist".

Wir müssen anerkennen, dass das Leben gewöhnliche Zeiten hat. Dass Misserfolg und leere Tage zum Glück gehören. Dass es sogar ein "Glück des Unglücklichseins" gibt. Warum also pflegen wir nicht die Melancholie? Warum verbergen wir Unglück? Schmid plädiert dafür, das eigene Bewusstsein zu finden, anstatt fremdes Glück zu jagen.

Doch als der Philosoph den Zusammenhang von Glück und Sinn dekliniert und die Begriffe quält, als wäre das Wohnzimmer ein Hörsaal, geraten die schönen Gedanken fast zur Strapaze. Vor ermüdender Definitionswulst rettet aber die Sprechkunst Elmar Bartels. Glück gehabt.
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Glück erkennen

Katherine Mansfield:
Glück. Zwei Erzählungen
Gelesen von Anna König.
Diogenes, Zürich 2008.
1 CD, 75 Minuten, 6,90 Euro.

Nicht jeder erkennt sein Glück. Laura aber weiß um ihr unbeschwertes Leben. Und Bertha genießt es sogar. In zwei Erzählungen spürt Katherine Mansfield auf unterschiedlichen Wegen dem Glück nach:

In der ersten beschreibt sie blumig die Versuche wohlhabender Leute, sich vor den Armen und deren Problemen zu schützen. In der zweiten wird eine Frau von einem unbegreiflichen Gefühl übermannt - dies ist die sehr viel tiefer empfundene Geschichte.

Doch beide offenbaren: Schwieriger, als das Glück zu erkennen, ist es, das Glück zu bewältigen.