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Sie hat die Opernwelt revolutioniert und Extreme in sich vereint.

 

Claudia Wolff:
Maria Callas.
Feature mit Brigitte Röttgers und
Christa Rossenbach.
DAV, Berlin 2008,
2 CDs, 118 Min., 19,99 Euro.

Sie war Furie, entwarf sich aber auch als Opfer. Sie konnte hässlich verschattet und zugleich grandios singen. Sie trat hochprofessionell auf und wirkte doch voller Minderwertigkeitskomplexe. Maria Callas (1923 - 1977) war die perfekte Inszenierung des Geheimnisvollen. Ein Mythos. Der Autorin Claudia Wolff ist nun ein nachhaltiges Hörstück über die Primadonna gelungen, ohne sie auf ihre Stimme zu reduzieren.

Vielmehr öffnet sie den Callas-Kosmos: eine Glücklosigkeit im Luxus mit unerfülltem Kinderwunsch, Hass auf die Mutter und demütigenden Erfahrungen. Wurde sie nur geliebt, wenn sie sang? Lebte sie die Erotik mehr mit ihrer Stimme als mit ihrem Fleische? Das Feature mit Originalzitaten und Musikbeispielen lässt hier - auch beim Nichtopernfreund - lebhafte Bilder entstehen. Die Callas als große Projektionsfläche. Ob sie sich jemals selbst durchschaut hat?

Vielleicht war sie humorlos und eitel, vielleicht auch einzigartig oder heilig. Sicher ist: Inmitten einer überheblichen Bohème musste sich die Callas zwischen Faszination und Ungnade bewegen, zwischen Rettung und Verderben, Oper und Onassis. Hatte sie eine Höhe erreicht, lauerte immer auch die Lust auf ihren Absturz. War sie zu groß für die kleine Zeit, in der sie lebte?

Maria Callas wurde geliebt und gehasst - aber wurde sie verstanden?