Lübbe Audio hat mit einer Edgar Allan Poe-Hörbuchreihe etwas Einzigartiges geschaffen, zurecht viele Fans gewonnen und mit Ulrich Pleitgen einen vollendeten Sprecher.

 

Edgar Allan Poe
Die Grube und das Pendel (Folge 1)
Hörspiel mit Ulrich Pleitgen, Till Hagen.
Gesangslyrik: Heinz Rudolf Kunze.
Lübbe Audio 2003, 1 CD, 59 Min., 7,95 Euro.

Wer ist er? Wo kommt er her? Was ist geschehen? Der Patient hat schwere Kopfverletzungen, schwache Nerven und sein Gedächtnis verloren. Aber nicht seinen Instinkt. Der Arzt, der ihn behandelt, weckt sein tiefstes Misstrauen.
Dr. Templeton ist genauso unheimlich wie der Ort, an dem sich der Unbekannte befindet. Schützen ihn die Mauern eines Klosters? Oder ist er ein Gefangener in einem Irrenasyl? Sicher gibt es für alles eine Erklärung. Aber welche?
Wenn er Vollmond, Mitternacht und die kirchliche Gerichtsbarkeit übersteht, wird er irgendwann erkennen, dass er Edgar Allan Poe ist. Gerade feierten wir seinen 200. Geburtstag, doch noch immer ruft er um "Hilfe", sucht er seine Identität - plagen ihn viele Albträume.

"Die Grube und das Pendel" ist der Auftakt der Edgar Allan Poe-Hörbuchreihe, mit der Lübbe Audio etwas Einzigartiges geschaffen hat: Sein Erbe würdig fortzuführen.
Jenes erste Hörspiel erschien 2003 - aufwändig produziert, mit Liebe zum Detail. Tatsächlich blieb dieser hohe Anspruch auch den folgenden Alben erhalten: Die mystische Coverästhetik von Simon Marsden, die sorgfältige Musikauswahl des Filmorchesters Berlin, die universellen Geräusche und makellosen Soundeffekte - all das ist bestes Handwerk, das der Faszination von Edgar Allan Poe todsicher gerecht wird.

Edgar Allan Poe
Lebendig begraben (Folge 8)
Hörspiel mit Ulrich Pleitgen, Till Hagen, Iris Berben. Popballade: Orange Blue.
Lübbe Audio 2004,
1 CD, 66 Min., 7,95 Euro.

Und in allen Folgen leistet auch der Schauspieler Ulrich Pleitgen wahre Kunststücke: Wie er der Verzweiflung hemmungslos Laut gibt; wie er seelenwund die Ängste ausweidet; wie er einen in den düsteren Bann zieht - das würde sogar den leibhaftigen Meister überraschen. Stets spürt man die Kraft, die es Poe kostet, nicht den Verstand zu verlieren.
So scheint in Folge 8 zwar die Flucht vor dem frankensteinischen Arzt gelungen, doch gerät Poe in eine neue, missliche Lage: feuchte Kälte auf engem Raum, blutende Finger vom Kratzen an der Wand. Die Geschichte "Lebendig begraben" gewährt ihm nur einen einzigen Lichtblick - Leonie Goron (Iris Berben).
Von da an bleibt Leonie unbeirrt an seiner Seite. Nun erleben beide alle Seltsamkeiten gemeinsam (in intensiven Dialogen, denen nicht anzumerken ist, dass sich Ulrich Pleitgen und Iris Berben nie im Studio begegneten).

Edgar Allan Poe
Morella (Folge 33)
Hörspiel mit Ulrich Pleitgen, Iris Berben, Tilo Schmitz. Esoterikmusik: Elane.
Lübbe Audio 2008,
1 CD, 69 Min., 7,95 Euro.

Zuverlässig hält sich die schauerliche Atmosphäre bis zur jüngsten Folge: "Morella".

In dieser 33. Erzählung findet Poe endlich das Haus seiner Familie. Aber noch immer keine Erklärung. Die Spurensuche bleibt eine permanente Reise zu sich selbst. Der Weg ist das Ziel - in diesem Muster verfasst der Autor Moritz Wulf Lange (alias: Melchior Hala) seine Gothic-Dramen frei nach Poe. So begabt, so erfolgreich, dass die Reihe nicht, wie geplant, mit Folge 25 abgeschlossen werden konnte. Zu viele Seelen waren da schon süchtig nach dem Schrecken. Sehnlichst erwarten sie für August die Folgen 34-37. Ein Ende ist nicht absehbar.

 

Gut, denn das wäre für die euphorischen Fans düsterer als der finsterste Albtraum von Edgar Allan Poe.