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Manchmal wurde er sogar witzig. Aber davon gibt es nur wenige Beispiele. Gescheit war er jedoch immer, jener Johann Christoph Friedrich von Schiller.

 

Was Schiller gegenwärtig macht

Schiller für Kinder:
Vorgestellt von Peter Härtling.
Gelesen von Peter Härtling.
Der Hörverlag, München 2009,
1 CD, 74 Minuten, 9,95 Euro

Aber, was weiß die junge Generation noch vom bedeutendsten deutschen Dramatiker? Sicher fällt in diesem Jubiläumsjahr - am 10. November jährt sich Schillers 250. Geburtstag - sein Name öfter. Doch wie viel Schiller erleben Kinder heute eigentlich noch?

Der Schriftsteller Peter Härtling, der schon Eichendorff, Goethe, Heine, Mozart und Ringelnatz für Kinder aufgearbeitet hat, widmet sich nun dem Schillerschen Talent - und erstaunt sogleich mit einem Gedicht, das der als Zehnjähriger schrieb. Da dankt Schiller den "Eltern, die ich zärtlich ehre" ... "für alle Sorgfalt und Geduld" und lobt ihre "Güte". So viel Tugend ist heute zwar nicht mehr zeitgemäß, so viel Demut ist zwar nicht besser - aber falsch?

Während Schiller-Experten gerade behaupten, Friedrich würde heute twittern oder bloggen, weil er starke Medien mochte, wirkt Härtling wie ein Hüter des Wortes, der schillerhalber lieber ins "alte Deutsch umlernen" will. Fernab modischer Anbiederung erklärt er schlicht, dass die Butterbemme ein Butterbrot ist und Ballade weder von Ball noch von Marmelade kommt, sondern ein sehr langes Gedicht ist, das spannende Geschichten erzählt.

"Das Lied von der Glocke" hält Peter Härtling zwar für eine grandiose Menschenballade - manche können sie fast auswendig - aber zugleich auch für eine Zumutung. Da ist es nur sympathisch, wenn dem Rezitator die Puste ausgeht. Immerhin: "Der Taucher" oder "Der Handschuh" kommen nicht zu kurz.

Peter Härtling vermittelt den ernsten Schiller in gütigem Ton - aber dankenswerterweise nie betulich. Er begegnet den Kindern mit Respekt, weil er ihnen was zutraut. Das verlangt Aufmerksamkeit, dafür ist aber auch eine kleine wie feine Weiterbildung zu erfahren, die, nun ja, die Sinne beflügelt. Für Härtling ist Schiller ein Meister der Mutproben - die größte besteht darin, menschlich zu sein. Und das ist doch eine sehr schöne und vor allem eine sehr gegenwärtige Herausforderung.
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Wie Schiller nie zu hören war

Wer wagt es ...
Schiller in Originalsprache
Gesprochen von Bernd Kohlhepp.
Mäule & Gosch, Plaid 2009,
1 CD, 44 Minuten, ab 7,90 Euro

"Wer wagt es ...", sich aus dem Gedicht "Der Taucher" eine Zeile zu entleihen, um ein Hörbuch danach zu benennen? Der Wortkünstler Bernd Kohlhepp ist so furchtlos. Seine Hommage im Schiller-Jubiläumsjahr erinnert daran, dass der große Dichter doch bittschön aus Marburg war und Zeit seines Lebens seinen schwäbischen Dialekt nicht ganz los wurde.
Möglichst originalgetreu deklamiert, ja intoniert er die "Sprüche des Konfuzius" - und gern auch die "Bürgschaft", den "Handschuh" und die "Glocke" - so, wie sie Schiller seinen Freunden und Kameraden vorgetragen haben könnte. Streng orthodox genommen: nicht wirklich in fließendem Schwäbisch, aber in seiner Art doch bisher ungehört.

Da klingen Pathos und Schrecken auf einmal sanft, der Tyrann fast niedlich, das Grauen gar a bissle putzig. Doch nein, das auf Berlinerisch geschulte Ohr wendet sich da nicht mit Grausen. Im Gegenteil: Freundlich murmelt hier ein lebendiger Quell hervor. Sehr vieles wurde schon zu Schiller gesagt - aber niemals so.