"Achtung! Hier ist das Funkstudio des Wachregiments, Feliks Dzierzynski." So klang es zu DDR-Zeiten in der Kaserne Berlin-Adlershof täglich über die Lautsprecher direkt in die Zimmer der Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere - in denen eigene Radios streng verboten waren.

 

Christian Blees:
Wir sind eine feste Bastion.
Feature. Produktion des SWR, RBB, BR.
Audio Verlag, Berlin 2009,
1 CD, 71 Minuten, 14,99 Euro.

"Es lebe das Kampfbündnis mit den Bruderländern, der Marxismus-Leninismus, die Sozialistische Einheitspartei" sowieso. "Vorwärts zu neuen Erfolgen, zu neuen Taten, zu neuen Ufern." Hurra! Hurra!

Hurra? Was für ein Start in den Tag. Wenn die Kompanie um sechs Uhr geweckt wurde, begann das Funkprogramm, das bis 22 Uhr mit Agitprop, gelegentlich auch mit Unterhaltung beschallte. "Wir sind eine feste Bastion" heißt das Hörbuch, dem nun jene Originalsendungen zugrunde liegen. Doch ein Mix aus "launigen" Funkauszügen, "spannend" und "unfassbar komisch" ist es nicht. Denn die Stasi bleibt ironiefrei.

Das Material ist ein ABC der sozialistischen Realität: "A" wie Abrüstung und Alkoholbeschaffung, "D" wie Dzierzynski und Dynamosport, "F" wie Feldküche und Frieden, "G" wie Gefechtspause und Gorbatschow, "K" wie Klassenstandpunkt und Kneipenschlägereien, "W" wie wissenschaftlich-technische Revolution und Wunschsendungen. Oft wird viel geredet und wenig gesagt - ein Schwall von Phrasen.

Weniger beklemmend als jene Propaganda sind die Soldaten, die nach einer durchzechten Nacht ins Mikrofon lallen. Waren das die gefährlichen Tschekisten, die der Feind zu fürchten hatte? Rückblickend erzählen Ex-Soldaten Anekdoten: Dass auch im Regiment eine Pink-Floyd-LP schwarzmarktübliche 300 Mark kostete. Dass auch sie die Musik der Gruppe Keks nervte. Oder, dass sie eines Tages versehentlich mit dem Rias geweckt wurden ...

Dieses Ordnen und Arrangieren des Materials ist eine gehörige Fleißarbeit von Christian Blees (Autor) und Nikolai von Koslowski (Regie). Nicht mehr und nicht weniger.