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Die Ferienzeit ist vorbei, nun darf über Flugangst gesprochen werden.

 

Stephan Orth, Antje Blinda:
Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt.
Sprecher: Stefan Kaminski, Nina West,
Thomas Fränzel.
DAV, Berlin 2010,
1 CD, 71 Min., 14,99 Euro.

Nasse Hände, ein rasendes Herz, flache Atmung - so steigt die Panik auf. Im Jumbojet fühlt sich der Reisende ausgeliefert: ohne Einfluss auf die Crew, auf das Wetter oder auf die Technik. Sein ganzes Gottvertrauen legt er in die Teamarbeit von Pilot, Co-Pilot und, nun ja, Auto-Pilot. Und aus dem Cockpit heißt es dann: "Wir versuchen jetzt, zu starten". Versuchen?

Das Hörbuch "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt" versammelt zahlreiche Anekdoten von unerschrockenen Passagieren, die trotz aller absurder Durchsagen an Bord blieben. So erklärt etwa ein aufgeräumter Steward beim Sicherheitsballett: "Wenn sie mit zwei Kindern reisen, dann ziehen Sie sich bitte zuerst selbst die Maske auf und entscheiden Sie dann schnell, welches Kind die Chance auf einen höheren Universitätsabschluss hat." Anderswo schreit eine Stewardess: "Oh mein Gott die Tragflächen!" Dann lacht sie, ruft den entsetzten Passagieren zu: "Ich wollte das immer schon mal machen" und serviert die Bordgetränke. Alles wahre Geschichten.
Diese teils irritierenden Erfahrungen von ganz normalen Passagieren werden von Stefan Kaminski und Thomas Fränzel gänzlich cool vorgetragen. Angereichert sind sie mit sachlichen Informationen zu verdächtigen Fluggeräuschen oder medizinischen Notfällen: Gibt es den sicheren Sitzplatz? Nein. Wie hoch ist die Chance ein Flugzeugunglück zu überleben? Bei erstaunlichen 70 Prozent. Wie groß ist das Risiko einer Thrombose? Es gibt 100 Mal mehr Herzinfarkte an Bord. Wann tritt nach einem Druckabfall die Bewusstlosigkeit ein? Nach 20 Sekunden. Da verfliegt doch der letzte Hauch von Panik.

Ironische Kapitäne, ausgelassenes Kabinenpersonal, irritierte Passagiere - nur Ankommen ist schöner. Endlich fahren die Triebwerke aus, das Flugzeug setzt auf, das Publikum klatscht und der Pilot kann sein Glück kaum fassen: "Meine Damen und Herren, vielen Dank für ihren Beifall. Ich darf Ihnen mitteilen, dass uns vor wenigen Tagen schon einmal eine Landung in Düsseldorf geglückt ist."

Da entspannt sich auch der Ängstliche. Oder die Valium hat gewirkt.